BAFA Energieaudit

Energieaudit: Die neuen BAFA-Anforderungen

Das BAFA hat einen Leitfaden zum Energieaudit veröffentlicht. Was Sie unbedingt beim Energieaudit 2019 beachten müssen ...

In diesem Artikel erfahren Sie mehr zur Durchführung eines Energieaudits. Dabei lernen Sie die neuen Anforderungen des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) kennen. Im Fokus steht die Frage: Was ändert sich mit dem neuen Merkblatt und dem Leitfaden? Beide wurden am 13.02.19 veröffentlicht.

Das Wichtigste ganz kompakt:

  • Geänderte Struktur des Beratungsberichts.
    Einzelne Kapitel im Bericht wurden komprimiert und zusammengefasst.
  • Umfangreichere Protokollierung des Auftaktgesprächs und der definierten Inhalte:
    Die Interaktion zwischen Ihrem Unternehmen und Auditoren müssen noch detaillierter dokumentiert werden.
  • Präzisere Anforderungen an die Dokumentation des Cluster-Prozesses bei Unternehmen, die das Multi-Site-Verfahren anwenden.
    Weiterhin sind für Unternehmen Vereinfachungen möglich, um den Aufwand für das Energieaudit gering zu halten. Damit lassen sich Kosten sparen. Allerdings müssen die Kriterien für die Cluster präzise beschrieben werden. Nach dem neuen Merkblatt dürfen nur wirklich vergleichbare Standorte geclustert werden.
    Beispielsweise Bankfilialen, Shops und vergleichbares. Denn nur so können gefundene Potenziale auf andere Standorte im Cluster angewendet werden. Ansonsten fällt das Clustern leider weg. Insbesondere komplexe Produktionsstätten und Krankenhäuser sind häufig ausgeschlossen. Fakt ist: Für viele Unternehmen kann hier ein erheblicher Mehraufwand entstehen.
    Vorteil: Das Multi-Site-Verfahren darf jetzt auch übergreifend angewendet werden. So ist es ist nun möglich bei verbundenen bzw. Partnerunternehmen übergreifende Cluster zu bilden. Diesen Vorteil gilt es auszunutzen!
  • Hochrechnung der gefundenen Einsparmaßnahmen auf das Cluster.
    Im Cluster identifizierte Potenziale sollen im Cluster hochgerechnet werden. Damit sollen identifizierte Potenziale über mehrere Standorte hinweg betrachtet werden.

  • Neue Darstellungsform der Energieeffizienz-Maßnahmen:
    Es werden wesentlich detailliertere, rechnerische Nachweise für Energieeinsparungen gefordert, die durch Energieeffizienz-Maßnahmen erzielt werden sollen. Energieeffizienz-Maßnahmen müssen deutlich detaillierter und fundierter dokumentiert werden. Das BAFA stellt klare Anforderungen. Diese beinhalten die ausführliche:

    • Beschreibung des bestehenden Systems
    • Beschreibung der Maßnahme zur Effizienzsteigerung
    • Dokumentation der getroffenen Annahmen und verwendeten Parameter
    • Dokumentation der angewendeten Methode zur Berechnung des Einsparpotentials

  • Erhöhte Anforderungen an die anzuwendenden wirtschaftlichen Bewertungen der gefundenen Maßnahmen sowie die dafür zu berücksichtigenden Faktoren.

  • Änderung Kriterien für Wirtschaftlichkeit:
    Amortisationszeit gilt als nicht mehr geeignet für Energieeffizienz-Vorhaben (Dieser Punkt war im Entwurf noch nicht enthalten).  Gefordert werden Kapitalwert sowie int. Verzinsung, ROI, dynamische Amortisation und Annuitätsverfahren.
    Laut dem neuen Merkblatt ist bei der Bewertung von Einsparmaßnahmen bei der Durchführung eines Energieaudits nach DIN EN 16247-1 die Amortisationszeit kein geeignetes Kriterium, um die Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Bereits in der Vergangenheit sind die Schwächen dieser Betrachtungsweise deutlich geworden. So stellt Die Amortisationszeit keine Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Investition dar. Vielmehr ist es eine Kennzahl zur Risikoabschätzung. Wesentlich geeigneter sind:

    • Return on Investment (ROI): Mit dieser Methode wird die Rendite einer Investition bewertet. Sie wird gemessen am Gewinn bzw. der Einsparung und dem dazu eingesetzten Kapitel über die gesamte Nutzungsdauer. Wenn der ROI < 1 ist, bedeutet dies, dass sich die Investition nicht innerhalb der angegebenen Nutzungszeit refinanziert. In diesem Fall ist die Amortisationszeit größer als die kalkulatorische Nutzungsdauer.
    • Interne Verzinsung: Diese Methode dient dazu, um bei unregelmäßigen und schwankenden Erträgen (bzw. Einsparungen) theoretische mittlere, jährliche Renditen zu berechnen. Die Investition ist wirtschaftlich, wenn der interne Zinsfuß größer als der Kalkulationszinsfuß inkl. Risikozuschlag ist.
    • Kapitalwert: Der Kapitalwert einer Investition ist die Summe der Barwerte aller durch diese Investition verursachten Zahlungen (Ein- und Auszahlungen).

  • Der Leitfaden spricht u.a. von einer Teil-Lebenszyklus-Kostenanalyse
    Dabei sind neben der Anschaffung auch Förderungen zu berücksichtigen. Während der Betriebszeit sind jährliche Betriebskosten sowie Einsparung zu berücksichtigen. Am Ende der Nutzung ist der Restwert zu berücksichtigen.
Teil-Lebenszyklus-Kostenanalyse
  • Erweiterte Kriterien für die Rangfolge der ermittelten Maßnahmen
  • Spezifische Anforderungen an die Beschreibung (z.B. Art, Alter, Zustand, ggf. Besonderheiten und Schwachstellen) der eingesetzten Querschnittstechnologien
    Wesentlicher differenzierter müssen die eingesetzten Querschnittstechnologien (z.B. Beleuchtung, Heizung, Lüftung, etc.) beschrieben werden. Die detaillierte Beschreibung soll dazu führen alle relevanten Informationen aufzunehmen, um anschließend aussagekräftige Potenziale berechnen zu können.
  • Kleine Erweiterungen der Darstellungen in der Energiebilanz
    Das BAFA macht genaue Vorschläge zur Abbildung des Energieverbrauchs. Hierzu Zählen neben aussagekräftigen Diagrammen auch Sankey-Diagramme.
  • Analyse des Lastprofils ist Pflicht
    Wenn Lastprofile verfügbar sind, müssen diese ausgewertet werden. Wichtige Kenngrößen sind hier Grundlast und Spitzenlast. Besonders aussagekräftig sind Analysen durch die Spektralanalyse. Zusätzlich prüfen wir weitere Potenziale, wie bspw. die atypische Netznutzung.
  • Neue Anforderungen an Kennzahlen
  • Gefordert sind Aussagen zu Zielgruppe, Aussageziel mit Begründung, Wirkung, Aufwand, Nutzen/Anwendbarkeit. Zusätzlich werden „Benchmarks“ als Bezugswerte gefordert.
  • Neue Kriterien zur Klarheit der erhobenen Daten
    Über mehrere Bereiche hinweg werden die Anforderungen an die Dokumentation verschärft. Die erhobenen Daten und getroffenen Annahmen sollen nachvollziehbar sein.
  • Hilfen zur Interpretation der 90%-Regeln, bezüglich des zu erklärenden Energieverbrauchs.

Lästige Pflicht oder sinnvoller Analyse?

Die vorgeschriebenen Wiederholungs-Energieaudits können beides sein – je nachdem, was Sie daraus machen!

A und O ist, dass Sie sich rechtzeitig die erforderliche Unterstützung sichern: Die Erfahrungen aus 2015 haben gezeigt, dass die Nachfrage nach Dienstleistern, die Sie fit für das Energieaudit machen oder die Durchführung von Energieaudits anbieten, auch 2019 sehr hoch sein wird.

Erfahren Sie hier mehr zu unseren Leistungen beim Energieaudit.

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