Der Limón Blog

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Greenwashing war gestern

Die EmpCo-Richtlinie verändert, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit kommunizieren dürfen. Ab dem 27. September gilt die Richtlinie. Sind Sie vorbereitet?

„Klimaneutral.“ „Umweltfreundlich.“ „Nachhaltig hergestellt.“ Solche Aussagen begegnen uns täglich auf Verpackungen, in Online-Shops und Nachhaltigkeitsberichten. Doch was steckt wirklich dahinter? Genau das fragt künftig auch die EU – und sie besteht auf einer Antwort.

„Ein grünes Versprechen allein reicht nicht mehr. Ab September 2026 braucht es Belege.“

Das Ende der vagen Nachhaltigkeitsversprechen

Ob auf Verpackungen, in Online-Shops, auf Unternehmenswebsites oder in Nachhaltigkeitsberichten: Mit steigender Aufmerksamkeit an dem Thema Nachhaltigkeit wurden in den letzten 15 Jahren immer mehr Produkte und Dienstleistungen mit Begriffen wie „grün“, „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ beworben. Für Verbraucherinnen und Verbraucher klingt das zunächst positiv, häufig bleibt jedoch unklar, was genau hinter diesen Aussagen steckt.

Das liegt auch daran, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ selbst keineswegs eindeutig definiert ist. Historisch geht er auf Hans Carl von Carlowitz zurück, der bereits im 18. Jahrhundert eine „nachhaltende“ Forstwirtschaft forderte. Heute umfasst Nachhaltigkeit ein deutlich breiteres Spektrum: Während bis vor ca. 10 Jahren noch das 3-Säulen-Modell aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit „gesetzt“ war, wird Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext mittlerweile zunehmend über ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) operationalisiert. Zwischen dieser ursprünglichen Ressourcennutzungslogik und modernen ESG-Bewertungen liegt jedoch ein weiter Interpretationsspielraum, was maßgeblich zur inhaltlichen Unschärfe vieler Nachhaltigkeitsaussagen beiträgt.

Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Wurde ein Produkt tatsächlich emissionsarm hergestellt?
  • Beruht die Aussage auf einer belastbaren Klimabilanz?
  • Oder wurde lediglich ein Teil der Emissionen durch CO2-Zertifikate kompensiert?

Genau an dieser Stelle setzt die sogenannte Empowering Consumers-Richtlinie, kurz EmpCo-Richtlinie, an. Sie soll Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor irreführenden Umwelt- und Sozialaussagen schützen und Unternehmen zu mehr Transparenz verpflichten. Für Unternehmen bedeutet das: Nachhaltigkeitskommunikation wird verbindlicher, überprüfbarer und rechtlich sensibler. Wer weiterhin mit grünen Claims wirbt, muss künftig klar belegen können, worauf diese Aussagen beruhen.

Auf einen Blick

Rechtsgrundlage: Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel

In Kraft seit: März 2024 (EU-Ebene)

Umsetzungsfrist: 27. März 2026 – in Deutschland über Anpassungen des UWG erfolgt

Verbindlich ab: 27. September 2026

Ziel der Richtlinie ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden Geschäftspraktiken zu schützen und ihnen fundierte, nachhaltige Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Dazu nimmt die Richtlinie vor allem solche Aussagen in den Blick, die ökologische oder soziale Vorteile eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Unternehmens suggerieren, ohne dass diese ausreichend belegt sind.

Wichtig: Die EmpCo betrifft nicht nur große Unternehmen. Anders als etwa bei der CSRD gibt es keine größenabhängige Schwelle bei der Berichtspflicht. Wer gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern mit Nachhaltigkeitsaussagen wirbt, vom großen Konzern bis zum kleinen Onlinehändler, muss diese Aussagen künftig belastbar begründen können.

Sechs neue Spielregeln

Die EmpCo-Richtlinie greift in sechs konkrete Bereiche ein und betrifft Unternehmen jeder Größe.

1

Vage Umweltaussagen werden riskant

Begriffe wie „grün“, „öko“ oder „klimaneutral“ sind nur noch zulässig, wenn nachvollziehbare, überprüfbare Nachweise vorliegen. Pauschale Werbeaussagen ohne Substanz werden zum Haftungsrisiko.

2

Bezugspunkte müssen eindeutig sein

Gilt die Aussage für das ganze Produkt, nur die Verpackung oder einen einzelnen Produktionsschritt? Unklarheit hier ist kein Versehen – sie ist irreführend.

3

Kompensation darf Reduktion nicht ersetzen

Wer mit „klimaneutral“ wirbt, aber nur CO2-Zertifikate kauft, gerät in die Kritik. Unternehmen müssen transparent darlegen, was wirklich reduziert – und was nur ausgeglichen – wurde.

4

Siegelinflation hat ein Ende

Selbst kreierte Labels und Logos ohne unabhängige Prüfung sind künftig problematisch. Nur Siegel auf Basis offizieller Zertifizierungssysteme oder behördlicher Anerkennung bleiben zulässig.

5

Auch Social Washing wird adressiert

„Faire Lieferketten“, „tierfreundliche Produktion“ – auch soziale Aussagen brauchen künftig belastbare Standards, Audits oder vertraglich gesicherte Nachweise.

6

Langlebigkeit braucht Belege

„Hält 10 Jahre“ oder „5.000 Waschzyklen“ – solche Versprechen erfordern technische Prüfnachweise. Gleiches gilt für Reparierbarkeitsaussagen, wenn Ersatzteile faktisch nicht verfügbar sind.

So wird Ihr Unternehmen EmpCo-ready

Von der Bestandsaufnahme bis zur Schulung: Diese sechs Schritte führen Sie strukturiert zu einer belastbaren Nachhaltigkeitskommunikation.

1

Claim- und Siegel-Inventur durchführen

Alle Umwelt- und Sozialaussagen systematisch erfassen: Websites, Verpackungen, Social Media, Broschüren, Nachhaltigkeitsberichte.

2

Aussagen bewerten und klassifizieren

Ist der Bezugspunkt klar? Gibt es belastbare Daten? Könnte die Aussage missverstanden werden? Besonders vage Begriffe priorisieren.

3

Nachweise und Dokumentation aufbauen

Treibhausgasbilanzen, Ökobilanzen (LCAs), Zertifizierungen, Auditberichte und Lieferantennachweise systematisch zusammenstellen.

4

Kommunikation konkretisieren

Vage Begriffe entweder streichen oder durch präzise, belegbare Aussagen ersetzen. Kompensation klar von echter Reduktion trennen.

5

Freigabeprozesse etablieren

Marketing, Recht, Nachhaltigkeit und Einkauf müssen zusammenarbeiten. Neue Claims vor Veröffentlichung fachlich und rechtlich prüfen lassen.

6

Teams schulen

Greenwashing-Risiken sind kein Nischenthema: Juristische und inhaltliche Perspektive für alle relevanten Teams verständlich aufbereiten.

Nachhaltigkeit braucht jetzt Substanz

Die EmpCo-Richtlinie ist kein bürokratisches Hindernis – sie ist eine Chance. Wer Nachhaltigkeit glaubwürdig, transparent und faktenbasiert kommuniziert, baut Vertrauen auf und hebt sich vom Wettbewerb ab.

Greenwashing-Risiken sind längst nicht mehr nur juristisch. Sie gefährden Reputation, Investorenvertrauen und Kundenbindung. Unternehmen, die jetzt handeln, reduzieren nicht nur Risiken – sie stärken ihre gesamte Nachhaltigkeitsstrategie.

Vertrauen entsteht nicht durch große Worte oder grüne Logos. Es entsteht durch Transparenz, belastbare Daten und Ehrlichkeit darüber, was noch zu tun ist.

Ist Ihre Nachhaltigkeitskommunikation EmpCo-ready?

Wir unterstützen Sie bei der Analyse Ihrer Claims, der Bewertung bestehender Nachweise und dem Aufbau belastbarer Prozesse für eine sichere Nachhaltigkeitskommunikation.